Limit

Was ist dein genetisches Limit?

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In einem Sport, indem Medikamentenmissbrauch extrem verbreitet ist und auch bereits in Fitnessstudios extrem verbreitet ist, kommt die Frage auf: Was ist natural eigentlich möglich?
15-30% der Fitnessstudiogänger haben bereits einmal Medikamente zur Leistungssteigerung ausprobiert(1). Das bedeutet jeder Sechste – Dritte in deinem Studio (je nachdem welches Studio) hat schon einmal gestofft (Illegaler Medikamenten Missbrauch) oder tut es noch immer.
Wie kann man dann als natural trainierender Athlet sein genetisches Limit einschätzen?

Fettfreie-Masse-Index:

Spätestens seit der Bekanntmachung des German Natural Bodybuilding & Fitness Verbands(GNBF) im Januar 2014, den FFMI als Anti-Doping-Maßnahme ab der 11. GBNF Meisterschaft einzusetzen, hat der Fettfreie-Masse-Index (FFMI), Einzug in manche Diskussionen geschafft.(2)

Was ist der FFMI?

Der FFMI lässt sich anhand einer Formel berechnen und beschreibt eine Kenngröße, die es uns ermöglicht, herauszufinden ob es sich bei der zu testenden Person um jemanden handelt, der mit illegalen Mitteln nachgeholfen hat.

Ausrechnen lässt sich das ganze durch folgende Formel:

FFMI = FFKG / H^2 + 6,1 x (1,8 – H)

FFKG = Fettfreies Körpergewicht (Hier KFA wichtig)
H = Körpergröße in Meter

Welcher Wert kommt dabei raus?

Die GNBF hat ab 2014 festegesetzt alle Athleten, die einen FFMI von über 26 haben, nicht teilnehmen zu lassen.
In einer Studie von Kouri et al. wurden 157 Athleten getestet. Es wurden Größe, Gewicht und Körperfettanteil (KFA) ermittelt.
Für den KFA wurde eine 6 Falten Messung durchgeführt.
Zusätzlich wurde den Teilnehmern ein vertraulicher Fragebogen zum Ausfüllen gegeben. In diesem Fragebogen wurden die Teilnehmer gefragt, ob sie schon einmal leistungssteigernde Medikamente genommen haben.
Von den 157 Athleten haben sich 83 Leute gemeldet, die zugegebene haben NICHT mehr natural zu sein (gedopt) und 74 natural Athleten.

Ergebnisse:

Es hat sich herausgestellt, dass der Durchschnitt der NICHT-naturalen einen FFMI von ca 25 hatten. Die naturalen einen Durchschnitt von 22.
Die Wissenschaftler haben selbst bemerkt, dass diese Werte nicht sehr repräsentativ sind, da die Athletenmenge zu klein war. Ebenfalls gab es von den 157 Athleten nur eine Handvoll Athleten, die Rekorde in ihren Sportarten hielten oder Bodybuilding Bühnen Athleten waren. Man kann also annehmen, dass nur sehr wenige Athleten wirklich an ihrem genetischen Limit angekommen waren.
Aus diesem Grund haben die Wissenschaftler rückblickend die Mr.America Gewinner von 1939 – 1959 analysiert.

FFMI Werte Mr.America

Wir sehen verschiedene FFMI Werte. Die meisten sind niedriger als 25, jedoch gibt es auch manche Ausreißer nach oben. In diesem Zusammenhang sollten wir uns erstmal vor Augen führen, wann Testosteron eigentlich das Erste mal wirklich benutzt wurde.

Testosteron wurde erstmals ca 1930 synthetisch hergestellt, jedoch wusste man damals noch nicht, welche Auswirkung es auf die Bodybuilding Szene haben wird.
Zu dieser Zeit war Testosteron unglaublich teuer und 1940 hat 1g testosteron ca $50 gekostet. Das entspricht ca 700€ in unserer heutigen Zeit.
Man muss sich also fragen, wer um 1930 überhaupt die finanziellen Mittel hatte, um sich so etwas leisten zu können.
1945 fiel der Preis, als die Herstellungsprozesse vereinfacht wurden.
1954 gab es den ersten dokumentierten Fall von Testosteron Experimenten mit Bodybuildern. Ob das Ganze bereits vorher getestet wurde ist unklar, jedoch nicht auszuschließen.

Was sagen dir diese Daten?

In der Abbildung siehst du 2 verschiedene Kästchen.
Grün:
Das grüne Kästchen geht von 1939 – 1944. Du hast ja bereits erfahren, dass der Preis für Testosteron erst 1945 wirklich gefallen ist. Deswegen können wir uns in diesem Zeitraum ziemlich sicher sein, dass diese Leute natural waren.

Orange:
Im Orangen Kästchen sind alle zusammengefasst, bei denen die Chance auf Testosteron Gebrauch etwas höher ist, jedoch trotzdem noch ziemlich unwahrscheinlich. Wir müssen bedenken, dass es damals noch kein Internet gab und man so, wenig über Testosteron erfahren hat.
Da wir einen bekannten Fall von Experimenten mit Bodybuildern 1954 haben, hört hier das Orangen Kästchen auf und wir können davon ausgehen, dass die Athleten nach diesem Jahr Testosteron benutzt haben KÖNNTEN.

Interessant ist, dass der Durchschnitt dieser FFMI Werte trotzdem bei 25.4 liegt, auch wenn wir ein Paar Ausreißer nach oben haben.
Diese Ausreißer lassen sich zum Teil durch eine Fehleinschätzung des KFA erklären.

Wie geht die GBNF mit dem Problem der KFA Fehleinschätzung um?

Der FFMI funktioniert nur dann sehr gut als Antidoping Kontrolle, wenn der KFA sehr niedrig ist und der KFA auch richtig geschätzt oder getestet wurde. Aus diesem Grund rechnet die GNBF vorab bei jedem Athleten mit einem KFA von 5%. Wenn bei diesem Wert der FFMI über 25 liegt, wird eine genauere KFA Messung vorgenommen, da es sein kann, dass der Athlet mehr als 5% KFA hat und somit die Standardrechnung einen falschen Wert ausspuckt.

Der FFMI wird während des Einschreibens für den Wettkampf am Vortage der Meisterschaft nach Feststellung von Körpergewicht und Körpergröße mittels Waage und Messlatte zunächst rein rechnerisch ermittelt, wobei ein hypothetischer Wert von 5 Prozent Körperfett (den nur sehr definierte Athleten erreichen) zugrunde gelegt wird…..

…Erreicht der FFMI bei der genannten Überschlagsrechnung einen Wert von über 25, wird mit Hilfe eines qualitativ hochwertigen Calipers die Hautfaltendicke und damit das Fettfreie Körpergewicht ermittelt. Hierbei gilt eine Messtoleranz von 2 Prozent zugunsten des Athleten….

Wenn man jetzt kritisch ist, dann wird man der GNBF vorwerfen, dass die Kontrollmessung des KFAs mit einer Caliper Messung vollzogen wird. Diese Messmethode ist ebenfalls sehr fehleranfällig und scheint gegenüber anderen Messmethoden doch sehr unterschiedliche Ergebnisse herauszubekommen. Dies wird von der GNBF durch eine Messtoleranz von 2 Prozent zugunsten des Athleten aufgefangen.
Da die finanziellen Mittel der GNBF nur sehr begrenzt sind, ist eine Messung mit dem sehr genauen DEXA Scan leider keine Option.

Alles in Allem begrüßt das Team von Code-Fitness die Einführung des FFMI als Anti-Doping-Maßnahme. Jedoch müssen wir uns auch im klaren sein, dass es auch dort noch schwarze Schafe geben kann. Eine Wettkampfvorbereitung mit illegalen Substanzen ist trotzdem einfacher als eine ohne.

Gibt es ein gutes naturales Beispiel?

Es gibt eine Studie mit dem Titel “Natural bodybuilding competition preparation and recovery”(3) in der ein Athlet 6 Monate vor und nach dem Wettkampf mit Blut- und Körpertests begleitet wurde.
Am Wettkampf Tag selbst, wurde der KFA mit DEXA Scan gemessen und auf 4.5% gemessen. Bei diesem Athleten wurde dann der FFMI Wert anhand der Daten am Wettkampftag ausgerechnet und das Ergebnis war ein FFMI von 24.9.
Das interessante an dieser Studie ist, dass wir anhand der Blut und Hormonwerte sehen, dass dieser Athlet, zumindest in den 12 Monaten (6 Monate vor dem Wettkampf und 6 Monate nach dem Wettkampf) natural war.

Fazit:

Der FFMI ist ein guter Anhaltspunkt, jedoch ist er gerade bei hohem KFA sehr ungenau. Jedoch kann man sich die Athleten aus der Pre-Testosteronära ansehen und so ein realistischeres Bild eines naturalen Athleten bekommen, denn nicht jeder Naturalathlet auf Facebook, Instagram oder Youtube ist auch wirklich natural!
Viele der Informationen wurden aus dem Artikel von Eric Helms übersetzt und übernommen. Wer sich selbst noch einmal ein Bild von vielen der Mr. America Athleten oder dem Athleten aus der Bodybuilding Studie machen will, kann in dieser PDF ein paar Bilder anschauen.

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Quellen:

(1)http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC1484557/
(2)http://www.gnbf.net/2014/01/08/gnbf-anti-doping-ma%C3%9Fnahmen-ab-2014/
(3) http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23412685
(4) PDF: http://www.alanaragonblog.com/wp-content/uploads/2014/11/Aug-2014-AARR-Eric-Helms-Article.pdf

Bildquelle:
PDF: http://www.alanaragonblog.com/wp-content/uploads/2014/11/Aug-2014-AARR-Eric-Helms-Article.pdf

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