IIFYM

Macht Kalorienzählen krank?

Strikte Diäten werden assoziiert mit geringeren Erfolgsquoten beim Abnehmen, erhöhtem emotionalem Stress und essgestörten Verhaltenstendenzen (vergleiche: Mann et al, Stewart et al). Flexibles Diäten erscheint da auf den ersten Blick als die optimale Alternative und wird folglich zurzeit oft als die Lösung aller Diätprobleme angepriesen: IIFYM eignet sich für Hobbysportler, die einen flexiblen Ansatz bevorzugen und auch für Gewichtsklassensportler oder Athleten mit Bühnenambition. Wenn du dich mit diesem Ansatz wohl fühlst, nutze ihn bitte weiter; dieser Artikel richtet sich nicht an dich. Was aber, wenn IIFYM dich stresst? Machst du dann etwas falsch und alle anderen etwas richtig?

Ein genauerer Blick: IIFYM ist ein Instrument von vielen, um deine Ernährung zu strukturieren; nicht jedes Instrument ist aber für jede Person geeignet. Wenn du merkst, dass du dich ununterbrochen mit Essen beschäftigst, ist ein krampfhaftes Fokussieren auf Makro- und Mikronährstoffe oder Kalorien für dich kein Zugewinn, sondern eher zusätzlicher Stress. Lasse dir in diesem Fall nicht von außen einreden, dass IIFYM auch für dich funktionieren muss; Diätpräferenzen sind individuell! Davon abgesehen sollte deine Ernährung dein Wohlbefinden fördern, nicht angreifen. IIFYM als Ernährungsform hat seine Daseinsberechtigung, darf für dich jedoch auch ungeeignet sein. Im folgenden findest du einige Symptome aufgelistet, die für einen gestörten Umgang mit IIFYM sprechen und die du an dir selbst überprüfen kannst:

  • Wenn du 100g Nudeln getrackt hast, wirst du deshalb bei 103g auf dem Teller unruhig.
  • Du verreist mit Lebensmittelwaage, um immer tracken zu können.
  • Du isst nie das, worauf du wirklich Lust hast, z.B. Pommes, weil es nicht zu deinen Makrovorgaben passt. (Hier ließe sich generell diskutieren, ob du die Vorteile, die IIFYM birgt, verstanden hast und für dich nutzt. Schau doch mal in unserem Artikel nach!
  • Du isst nicht mehr auswärts und meidest zunehmend soziale Situationen.
  • Du denkst eigentlich den ganzen Tag über Essen nach, planst deine Makronährsstoffe immer wieder neu um und beschäftigst dich ununterbrochen mit Essen und Kalorien.

Wenn du einige oder mehrere dieser Symptome bei dir beobachtest, macht es Sinn, eine Pause von IIFYM einzulegen. Bei gesunden Menschen reichen regelmäßige Pausen, um das eigene Essverhalten wieder zu normalisieren. Wenn du aber merkst, dass du auch über einen längeren Zeitraum alleine daran scheiterst, such’ dir professionelle Hilfe z.B. bei der BZgA für Essstörungen. Essstörungen sind in der Fitnessszene absolut keine Seltenheit und können ganz ausdrücklich auch bei einer vermeintlich flexibleren Ernährungsform wie IIFYM auftreten. Sie werden in der Regel aber tabuisiert und so oftmals zu spät behandelt. Wenn du als dein eigener Experte entscheidest, dass du Hilfe brauchst, dann hol’ sie dir umgehend.

Deine (körperliche wie auch seelische) Gesundheit sollte zu jedem Zeitpunkt die oberste Priorität haben!

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Quellen:
Mann et al. Medicare’s Search for Effective Obesity Treatments: Diets Are Not the Answer. American Psychologist. 2007. Web. <http://janetto.bol.ucla.edu/index_files/Mannetal2007AP.pdf>
Stewart et al. Rigid vs. flexible dieting: Association with eating disorder symptoms in nonobese women. 2002. Web. <http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11883916>