ist die Multipresse für Grundübungen geeignet

Multipresse: Für Grundübungen geeignet?

Ob und wie gefährlich die Multipresse nun wirklich ist, ist ein heiß diskutiertes Thema. Einige sehen sie als ultimative Einstiegshilfe für Anfänger an, andere sehen in ihr einen absoluten Gelenkkiller. Hier möchte ich klären, ob du die gängigen Grundübungen auch an einer Multipresse ausführen kannst. Doch bevor wir uns näher damit befassen klären wir erst mal, was die Multipresse überhaupt ist und woher sie kommt.

Die Multipresse ist wohl die früheste Form der Fitnessmaschine, erfunden wurde sie in den 1950er Jahren von Jack LaLanne(1). Es ist leicht ersichtlich, das die Form der Maschine noch auf der Langhantel beruht. Ausgereiftere Geräte mit anderen Funktionsweisen bestimmen heute unsere Fitnessstudiolandschaft, insbesondere die Nautilus Maschinen von Arthur Jones haben das möglich gemacht (2). Doch kommen wir wieder zurück zur Multipresse, diese sehr primitive Maschine lässt sich genauso wie eine Hantel beladen, lässt aber nur Bewegungen in zwei mögliche Richtungen zu. Das schränkt die Liste an potenziell möglichen Übungen schon enorm ein, nämlich auf die Übungen, die einen geraden Hantelpfad voraussetzten.

Die Übungen

Trotz dieser Tatsache wird die Multipresse von einigen bei Übungen eingesetzt, die es eigentlich nicht erlauben. An prominentester Stelle ist hier das Bankdrücken. Beim Bankdrücken mit korrekter Technik wird die Stange in einer leichten Kurve von der Brust zurück über die Schultern gedrückt. Die Hantel direkt über der Schulter abzulassen ist zwar mechanisch am effizientesten, aber für viele auch der schnellste Weg zu einer Verletzung wegen eines Schulter-Impingements.

Auch bei Übungen, die eigentlich am meisten von einem geraden Hantelpfad profitiert, ist die Multipresse gegenüber der Hantel die schlechtere Wahl. Wenn sich die Kniebeugen von vielen Hunderten unterschiedlichen Menschen anschaut, wird man schnell feststellen, dass ein wirklich gerader Hantelpfad sehr sehr selten ist. Bei den meisten, gibt es kleine Abweichungen von diesem, meistens in der untersten Position. Wenn du deine Kniebeugen nun in einem Apparat ausführst, der diese kleinen Abweichungen nicht ermöglicht, dann werden deine Gelenke in Positionen gebracht, die sie ohne diese Maschine nicht eingenommen hätten. Im schlimmsten Fall, können deine Gelenke so nicht mit den auftretenden Kräften fertig werden. Die Positionen leiten uns auch direkt in den nächsten Punkt über.

Durch die Schienen sind Ausführungen möglich, die mit einer normalen Hantel nicht möglich sind. So könnte eine Kniebeuge an der Multipresse ganz anders aussehen als mit einer Hantel, du könntest die Füße viel weiter nach vorne bewegen und sogar eine Beinpresse nachahmen. Mit einer Hantel würdest du so einfach umfallen. Du könntest sogar noch weiter gehen und dich bewusst gegen die Maschine lehnen.

Beim Kreuzheben und dem Überkopfdrücken sieht es ganz ähnlich aus. Auch hier macht man, vielleicht auch ganz unbewusst, kleine Abweichungen vom geraden Hantelpfad. Deine Gelenke nehmen sich im Optimalfall den Raum, den sie zum Arbeiten brauchen. In der Multipresse werden sie jedoch in die Position gequetscht. Ein weiteres Problem beim Kreuzheben ist die nicht korrekte Starthöhe. In vielen Multipressen ist die korrekte Starthöhe nicht einstellbar. So musst du aus einer erhöhten Position heben, so schränkst du deinen Bewegungsumfang unnötig ein.

Technik lernen an der Multipresse?

Wohl das am häufigsten für die Multipresse verwendete Argument ist Folgendes.
Viele Trainer empfehlen die Multipresse als Lernobjekt für die entsprechenden Freihantelübungen. Dahinter verstecken sich einige Erwartungen, die nicht erfüllt werden und die die Multipresse gar nicht bieten kann. Zum einen, kann die Multipresse den, für den absoluten Anfänger, wichtigsten Aspekt der Freihantelübungen nicht erfüllen:
Koordination
Koordination wird jedoch an der Multipresse nur bedingt gefördert, da man an ihr, nur gegen den Schlitten drücken muss. Anders bei einer Kniebeuge, hier bewegst du nicht nur die Hantel durch den Raum, sondern auch deinen eigenen Körper. Dabei musst du dein Gleichgewicht halten, mit einer Maschine fällt dieser Punkt raus. Um Anfänger den Einstieg zu ermöglichen, bieten sich andere Alternativen an die auch den Koordinationsaspekt berücksichtigen. Ein Beispiel wäre hier der Goblet Squat. Durch den Wechsel auf ein kleineres Objekt können wir dem Anfänger ein gutes Training seiner koordinativen Fähigkeiten bieten ohne, ihn mit der Langhantel zu überfordern.

Ein weiteres hilfreiches Werkzeug für Anfänger wären leichtere Hanteln, in guten Fitnessstudios gibt es kürzere und leichtere Kinderhantel, auch eine 15kg Frauenhantel kann einen Einstieg ermöglichen. Falls es diese Geräte in deinem Fitnessstudio nicht geben sollte, eignen sich auch die kürzeren Hanteln mit festen Gewichten für das erlernen der Grundübungen.

Langhantelübungen sind genau wie jede andere Sportart auch erlernbar. Um Bewegungsmuster zu erlernen, müssen sie geübt werden. Ausweichen auf andere Übungen bringt dich nur bedingt weiter. Schaffe lieber die Bedingungen dafür die richtigen Übungen korrekt zu erlernen.

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Quellen:

(1) http://www.digitaljournal.com/article/302860
(2) http://www.nytimes.com/2007/08/30/business/30jones.html?_r=1&