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Der (vergessene) Faktor: Glücklich sein – Teil 1/3 – Deine Ernährung

Worauf du dich einlässt: ~700 Wörter – 10 Minuten Lesezeit – Vorwort, Glücks-Guide für deine Ernährung

Gerade als Frau begegnest du bestimmt oft dem Mythos, dass Erfolge, z.B. beim Abnehmen, nur Ergebnis eiserner Disziplin und Selbstqual sein können. Spaß an Sport und Ernährung sei fehl am Platz oder wird dir vom Trainer nebenan sogar als ein Zeichen von Schwäche ausgelegt.

In anderen Worten: Wenn es dir gut geht, machst du etwas falsch und darfst keine Erfolge erwarten.

Aber warum genau sollten dir Sport und deine Ernährung keinen Spaß machen dürfen? Wenn man genauer hinschaut, ist das genaue Gegenteil der Fall: Eine flexible Diät und ein Training, das dir Spaß macht, ist nachweislich erfolgreicher und emotional gesünder (vergleiche: Stewart et al). Um dich auf deinem Weg zu einer Ernährung und einem Training, die Spaß machen und gleichzeitig Erfolg bringen, zu begleiten, widmen wir diesem Thema nun eine komplette Reihe: Wir betrachten gemeinsam, wo Lebensglück in den genannten Bereichen oft verloren geht und wie du es dir wiederholen kannst. Wenn du jetzt oder zu einem späteren Zeitpunkt in dieser Serie etwas nicht verstehst, kannst du deine Fragen in Form von einem Kommentar oder auch in unserer Facebook-Supportgruppe (Facebook-Frauengruppe) an uns richten.

Ernährung

Los geht es mit dem Thema Ernährung: Angenommen, auch du bist mit deiner jetzigen Ernährung so gar nicht glücklich, was kannst du nun tun?

Als allererstes kannst du anfangen, Regeln und vor allem die damit einhergehenden Verbote zu hinterfragen, egal ob du oder eine außenstehende Person dir diese auferlegt haben: “Warum darf ich in der Diät keine Schokolade essen; warum sind Kohlenhydrate abends denn schlecht?” Je öfter du nachhakst, desto häufiger wirst du merken, dass viele Regeln deine Lebensfreude eher untergraben als stärken. Jetzt heißt es, Augen auf! Denn du beraubst dich so nicht nur um deinen Spaß am Essen, sondern erhöhst sogar deine Chancen auf Misserfolg:

Je härter und strikter du diätest, desto wahrscheinlicher ist es, dass du die Diät abbrichst und/oder längerfristig noch mehr zunimmst. Viel zu wenig oder ausschließlich Diätprodukte zu essen, die dir nicht schmecken, ist also nicht der Weg zum Erfolg.

Schauen wir uns den Sachverhalt genauer an: Eine Metaanalyse der UCLA begutachtete über 30 Langzeitstudien, in denen genau dieses Diätverhalten untersucht wurde. Die teilnehmenden Frauen mussten eine Diät befolgen und ihr Körpergewicht wurde anschließend über Jahre beobachtet. Konkret heißt das, dass diesen Frauen verschiedene Ernährungsregeln vorgeschrieben wurden, wie auch du das für dich selbst nur allzu gut kennst: Keine Süßigkeiten mehr, zum Abendessen nur noch Gemüse, höchstens 1.800 Kalorien. Das Regelwerk ist, wie bei dir auch, immer anders und willkürlich. Den Frauen in der Studie passierte folgendes: Das Diäten (also die Einschränkungen und Verbote) war ein verlässlicher Prädikator (= “Vorhersager”) für Gewichtszunahme in der Zukunft. Das heißt konkret, dass von allen teilnehmenden Frauen bis zu zwei Drittel (je nach Studie, also je nach Verbot) nach dem Diätende sogar über ihr Ausgangsgewicht hinaus zunahmen. Dies ist für dich eine immens wichtige Information: Umso striktere Regeln und Verbote du aufstellst, desto eher scheiterst du also daran, diese einzuhalten und nimmst dabei langfristig eventuell sogar noch zu!
Mögliche Erklärungstheorien dafür sind, dass die Frauen zunahmen, weil sie nach Diätende in ihr altes Essverhalten zurückfielen, nun in Form von Fressattacken “verbotene” Lebensmittel in noch größeren Mengen zu sich nahmen und/oder sich mental noch häufiger und obsessiver mit Essen beschäftigten als vorher (vergleiche Mann et al 2007). Auch das kommt dir vielleicht bekannt vor: Du stellst strenge Verbote auf, scheiterst und kannst danach gar nicht mehr genug Eis, Kuchen und Pizza essen. Vielleicht isst du sogar mehr, weil du so frustriert bist, nicht “durchgehalten” zu haben. Dieses Muster wiederholst du dann immer wieder – Spaß macht es dir nie, langfristigen Erfolg bringt es genauso wenig. Eine harte Diät ist jedoch nicht nur selten erfolgreich, sondern oft sogar ein Problem:

Superstrikte Diäten sind nachweislich oftmals der Einstieg in essgestörte Verhaltensweisen, führen eher zu Gewichtszunahme als -verlust und werden assoziiert mit einem schlechten Selbstbild (vegleiche: Stewart et al).

Und: Spaß macht das ganze Verzichten niemandem.

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Fazit

Nun weißt du also, dass strenge Regeln und damit einhergehende Verbote jeglicher Art, die deine Lebensfreude mindern, selten Sinn machen und niemals ohne kritisches Nachfragen deinerseits nachgeturnt werden sollten. Was stattdessen Sinn macht?
So Abnehmen, wie es für dich angenehm, durchhaltbar und lecker ist.
Das war nun so einiges an Input, den du vielleicht in Ruhe überdenken möchtest. Nimm’ dir diese Zeit! In Teil 2 werde ich das Thema Sport beleuchten. Bis dahin!

Quellen:
Mann et al. Medicare’s Search for Effective Obesity Treatments: Diets Are Not the Answer. American Psychologist. 2007. Web.
http://janetto.bol.ucla.edu/index_files/Mannetal2007AP.pdf
Stewart et al. Rigid vs. flexible dieting: Association with eating disorder symptoms in nonobese women. 2002. Web. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11883916