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Aspartam – Süßer Tod? – Teil 2

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Wahrheit oder Mythos? Gerüchte um Aspartam und andere Süßstoffe

Wer Teil 1 dieser Reihe noch nicht gelesen hat, den bitten wir dies zuerst zu tun. Zum Teil 1 geht es hier entlang.

Mythos Nr.1 – “Süßstoffe regen den Appetit an!”

Häufig hört man den Vorwurf, dass Süßstoffe deinen Appetit anregen können, oder, dass sie dein Hungergefühl verstärken. Dieser Mythos beruht hauptsächlich auf einer Untersuchung von Blundell und Rogers(1), die einen Zusammenhang zwischen Süßstoffen und dem Appetit herstellten. Weitere ausführlichere Humanstudien(2)(3)(4)(5), also Studien an Menschen, die in der folgenden Zeit zu dem Thema gemacht wurden u.a. von Dr. Barbara J. Rolls(20), zeigten keine physiologisch relevante, körperlich messbare Bestätigung dieser Vermutung. Der Verdacht der ersten Studie konnte also mehrfach nicht bestätigt werden.

Fazit:

In nur einer Studie an Menschen, konnte ein Zusammenhang zwischen Süßstoffen (z.B. Aspartam) und dem Hungergefühl hergestellt werden. Alle weiteren kontrollierten Studien zeigten keinen Zusammenhang. Es liegt also nahe, dass die erste Studie nur eine Anomalie war.

Verdauungsorgane

Mythos Nr.2 – “Süßstoffe beeinflussen die Verdauungsorgane!”

“Von Süßstoff bekommst du Durchfall, die sind nicht gut für die Verdauung!”
Dieser Satz ist im Zusammenhang mit Süßstoffen häufig zu lesen und beruht auf einem Missverständnis.
Bis auf Extremfälle, haben Süßstoffe keinen Einfluss auf die Verdauung(6). Das Missverständnis rührt von der häufigen Kombinationen mit sogenannten Zuckeraustauschstoffen(7). Die Bekanntesten sind Sorbit, Xylit oder Isomalt, und diese können bei übermäßigem Verzehr abführend wirken. Einzig den Süßstoffen Sacharin und Natrium-Cyclamat konnte in Versuchen eine abführende Wirkung nachgewiesen werden.
Aber:
Bei einem Versuch wurde Hunden, die auf den Menschen umgerechnete Dosierung von ca. 75 Süßstofftabletten auf einmal verabreicht. Beim Sacharin entsprach die Menge ungefähr 17 Litern flüssigem Süßstoff(8). Die Dosierungen waren also absolut realitätsfremd und sind ohne Vorsatz kaum zu erreichen.

Fazit:

Die meisten Süßstoffe haben im Normalverbrauch keine abführende Wirkung, bei absurd hohen Dosierungen ist bei einigen eine abführende Wirkung aber im Rahmen des Möglichen. Die von manchen Leuten beschriebene, abführende Wirkung, von mit diesen Süßstoffen versetzten Getränken, kann aber auch vom enthaltenen Koffein ausgehen(9)(10).

Mythos Nr. 3 – “Süßstoffe sind Krebserregend!”

In den frühen 1980ern gab es mehrfach Laborstudien an Ratten. Dabei wurden verschiedene Süßstoffe in einen möglichen Zusammenhang mit Krebs (z.B. Blasenkrebs) gebracht(11). Diese Ergebnisse ließen sich jedoch schon mit einer anderen Rattenart nicht mehr reproduzieren(12). Im Gegenteil, die Meta-Studie der EFSA (14) beurteilte das Studiendesign der ursprünglichen Untersuchungen im Rückblick als “nicht aussagekräftig” und “teilweise fehlerhaft”. Später durchgeführte kontrollierte Studien widerlegten diesen Zusammenhang mehrfach(13)(14) und zeigten, dass kein Risiko besteht.

Fazit:

Es gibt laut jetzigem Wissensstand keinen Zusammenhang zwischen dem Konsum von Süßstoffen und einem erhöhten Krebsrisiko.

diabetes

Mythos Nr. 4 – “Süßstoffe schütten Insulin aus!”

Diesen Satz liest man immer wieder in der Diskussion um Süßstoffe wie Aspartam. Auch hier ist das Missverständnis in Rattenstudien aus den 80er Jahren zu suchen, die bei den Versuchstieren eine deutliche Reaktion aufzeigten(15). In weiterführenden Studien an Menschen(16)(17)(18) ließen sich diese Reaktion jedoch NICHT reproduzieren.

Fazit:

Keine klinische Studie an Menschen konnte eine Auswirkung von Süßstoffen auf den Insulinspiegel nachweisen. Dazu sollte man sich vor Augen führen, wie viele Menschen, die an Diabetes leiden(19), Süßstoffe benutzen und keine Beschwerden haben.

Das waren also die 4 am meisten genannten Mythen und Gerüchte über Aspartam und andere Süßstoffe und die auf wissenschaftlichen Grundlagen haltbaren Aussagen dazu. Wir hoffen, wir konnten ein wenig Licht in diesen Wust von Ängsten und Vermutungen zum Thema Süßstoffe bringen.
Hast du weitere Fragen zu Aspartam oder Süßstoffen? Wenn ja, schreibe sie in Kommentare. Wir werden diese Fragen sammeln und in einem weiteren Artikel gerne beantworten.

Hast du Fragen oder Anregungen? Dann schreib diese hier in die Kommentare oder in unsere Facebook-Supportgruppe. So können wir dir bei deinen Fragen schnell weiterhelfen.

Quellen:

(1)http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/8317382?dopt=Abstract&holding=npg
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/2813533?dopt=Abstract&holding=npg
oder http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/0031938489900930
(2)http://ajcn.nutrition.org/content/53/4/872.full.pdf
(3)http://www.inter-uni.net/static/download/publication/masterthesen/T_Skokan_www.pdf
(4)Härtel B. et. Al. 1993
(5)Blackburn G et al. (1997).The effect of aspartame as part of a multidisciplinary weight-control program on short- and long-term control of body weight. Am J Clin Nutr 65:409–418.
(6)http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22224551
(7)http://ec.europa.eu/food/fs/sfp/addit_flavor/flav10_de.pdf
(8)http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/5760365
(9)http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/1177987
(10)http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/1253714
(11)http://www.cancer.gov/cancertopics/causes-prevention/risk/diet/artificial-sweeteners-fact-sheet
(12)http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/7245229
(13)http://cebp.aacrjournals.org/content/18/8/2235.abstract
(14)http://www.efsa.europa.eu/en/efsajournal/pub/945.htm
http://www.efsa.europa.eu/de/efsajournal/doc/3496.pdf
(15)http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/2887500
(16)http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/1946186
(17)http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21255472
(18)http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20303371
(19)http://profi.diabetesde.org/gesundheitsbericht/2012/
(20)http://nutrition.psu.edu/media/nutrition/foodlab/files/Barbara_Rolls_Vitae.pdf

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